Bereits zum dritten Mal fand am 3. Juli 2026 im NSG Werbeliner See der „Tag der Artenvielfalt“ statt. Mit dabei waren die JuNa-Kinder der Naundorfer Kinderumweltgruppe.
Wir wurden von Heike Franke, Franz Jäger und Alexander Thomas begrüßt. Sie sind Mitarbeiter im Naturschutzgebiet. Schon beim Anmelden konnte man sich zwischen dem Fledermausfang oder dem Lichtfang von Insekten entscheiden.
Estelle schreibt über den Lichtfang von Insekten:
Drei Kinder unserer Gruppe waren für den Lichtfang von Insekten angemeldet. Der Lichtfang wurde von Andreas Raffelt geleitet. Zuerst erklärte er uns Nachtfalter und zeigte uns präparierte Tiere im Schaukasten. Danach kontrollierten wir die Pheromonfallen, die Andreas schon vor Beginn der Aktion aufgehangen hatte. Pheromonfallen sind Fallen, in denen Schmetterlinge, welche an diesem Abend das Hauptthema waren, lebendig gefangen werden sollten. Leider haben wir keine Schmetterlinge mit den Fallen angelockt. Dann trugen wir zwei Lockmittel auf Bäume auf. Ein Lockmittel war eine Mischung aus Malzbier, Banane und Sirup. Die andere Mischung war die gleiche, nur das darin Schwarzbier statt Malzbier war. Die Mischung war sehr klebrig und roch etwas.



Jetzt bauten wir einen Turm, der aus einem weißen Netz bestand, auf. Das war die Lichtfalle. Im Turm hing eine Lampe und durch das Licht sollten Insekten angelockt werden. Andreas erklärte uns, welche Arten von Nachtfaltern es gibt. Es gibt zum Beispiel so genannte Bären, Eulen, Spanner und Spinner. Im Vergleich zu den Tagfaltern, die ich so kenne, sind sie ziemlich groß.
Langsam dämmerte es und es ging so richtig los. Nachdem wir die Lockmittel an den Bäumen einwirken lassen haben, gingen wir schauen, was an den Bäumen los ist. An allen Bäumen, die wir mit dem Lockmittel bestrichen haben waren Tiere. Ameisen ließen es sich schmecken, aber auch unsere gesuchten Falter landeten beim Lockmittel. Wir fingen sie in Gläsern, die mit Ethern gefüllt waren, um sie zu bestimmen. Dafür waren sie kurz im Dämmerschlaf und flogen später wieder davon.
Wir fanden:
- Pappelspinner
- Ringelspinner
- einen Schmetterling namens Pudel
- Zimtbär
- Gelbleib – Flechtenbärchen
- und viele andere.



Zwei besondere Highlights waren das Schwarze Ordensband und das Rote Ordensband. Das sind sehr seltene Nachtfalter. Andreas hat in seiner 17 Jahre langen Expertenzeit für Schmetterlinge noch keines der beiden gefangen. Wir durften selbst die Schmetterlinge bestimmen. Das war gar nicht so einfach. Hier waren gute Augen und der Blick ins Detail gefragt. Andreas erklärte uns auch, wie er Schmetterlinge präpariert. Richtig spannend, wie das abläuft. Besonders beeindruckend war, dass die Tiere im Schaukasten so echt aussahen.
Am Beispiel des Schwarzen Ordensband und zwei anderer Schmetterlinge hat er uns gezeigt, wie die Tiere zum Präparieren getötet werden. Sie bekamen über eine Spritze Nikotinammoniaklösung. Danach entspannten sich die Tiere und wurden mit einer Nadel für den Transport fixiert. Die Präparation machte Andreas am nächsten Tag zu Hause.
Emma schreibt über den Nachtfang von Fledermäusen mittels Haarnetzen:
Ich war als einzige unserer Gruppe beim Nachtfang der Fledermäuse. Diese Aktion wurde durchgeführt von Colette Henrichmann und drei aus ihrem Team der NABU Leipzig.
Als erstes begannen wir an einer Kreuzung einer Pappelallee und dem Weg in Richtung des Aktionsstartes drei große Fangnetze mit einer Höhe von 6 bis 8 m quer über die Wege aufzubauen. Da es sehr windig war, war das nicht so einfach. Die Netze mussten immer mal wieder richtig positioniert werden. Dann wurde zur Ultraschall-Echoortung noch ein Bat-Detektor aufgebaut, welcher die ausgesendeten Echolaute in für uns hörbare Laute umwandelt. Jede Fledermausart hat eine besondere Rufcharakteristik in bestimmten Frequenzbereichen. Diese hochfrequenten Signale liegen zwischen 20 und 100 Hz.



Bisher sind folgende 5 Fledermausarten im NSG bekannt:
- Mückenfledermaus
- Wasserfledermaus
- Rauhautfledermaus
- Breitflügelfledermaus
- Großer Abendsegler.
Zuerst hatten wir im Netz nur eine Großlibelle und einige Mistkäfer. Dann entdeckten wir einen Nachtfalter, es war ein Weidenbohrer. Uns selbst mussten wir vor den Mücken schützen. Auf der Anzeigetafel hörten wir überwiegend Grillen. Erst kurz vor Ende der Aktion gegen 23.30 Uhr dann die ersten Fledermäuse. Wir hörten ihre Rufe und dann auch gleich drei Einschläge im Netz. Die Fachleute suchten die Netze mit rotem Nachtlicht ab und holten mit Handschuhen die drei Fledermäuse aus dem Netz. Sie machten sich lautstark bemerkbar. Jetzt wurde es spannend. Ich durfte mit den anderen Beobachtern zuschauen, wie die Art bestimmt wurde und das Geschlecht. Die Tiere wurden am Unterarm vermessen und gewogen. Beringt wurde heute keine.
Wir konnten auch 2 verschiedene Arten nebeneinander vergleichen. Dabei schimpften die Fledermäuse erst ersichtlich, beruhigten sich aber schnell. Wir hatten einen Großen Abendsegler, ein Männchen und von der Breitflügelfledermaus zwei Weibchen, wobei das eine Tier eine Zitze hatte, welche aktuell auf ein Jungtier hinwies. Alles wurde dokumentiert und dann wurde die Aktion auch beendet. Die Fledermäuse wurden wieder in die Nacht entlassen und flogen davon.


Wir halfen alle beim Abbau der Netze und kehrten dann zu der anderen Gruppe mit den Nachtfaltern zurück. Hier wurden beide Aktionen ausgewertet. Uns gelang kein Nachweis einer neuen Art in dieser Region, aber wir waren dankbar über die vielen Informationen zu den Fledermausarten und zur Arbeit des Teams bei der NABU Leipzig.
Wir bedanken uns bei Andreas Raffelt und Colette Henrichmann und Team sowie bei Heike, Franz und Alex vom Naturschutzgebiet Werbeliner See für den interessanten Abend und die Nacht. Es war ein tolles Erlebnis und wir haben viel Interessantes erfahren.
Text: Juna – Kinder Estelle Brandt und Emma Franke; Fotos: Annett Erdmann, Corina Brandt und Katrin Franke
Ansprechpartner für die Kinder- und Jugendumweltgruppen Naundorf ist die Ökostation Naundorf.
