Ein JuNa-Tag voller neuer Perspektiven auf Schnecken und Muscheln
Strahlender Sonnenschein begleitete das jüngste Treffen der Jungen Naturwächter an der Auwaldstation – für uns perfektes Frühlingswetter, für die tierischen Stars des Tages, die Weichtiere, auch Mollusken genannt, jedoch eigentlich gar nicht ideal. Trotzdem ließen sich die „Wilden Wölfe“ nicht aufhalten und tauchten mit großer Neugier in diese oft übersehene Tiergruppe ein.
Nach einem fröhlichen Start und der Begrüßung unseres Gastes, des Weichtier-Experten Frank Borleis, begann der Tag wie gewohnt mit der Fühli-Runde mit unserem Maskottchen „Fritzi Schleimfuß“. Passender hätte es kaum sein können. Im Mittelpunkt des Tages stand die Weinbergschnecke. Die Kinder erklärten Frank selbstbewusst, warum Fritzi diesen Namen trägt – „Fritzi“ ist ein geschlechtsneutraler Name, da Landschnecken Zwitter sind, und „Schleimfuß“, weil sich Schnecken mit ihrem einzigen muskulösen Fuß und einer Schleimspur fortbewegen.
Ein gelungener Start, der selbst den Fachmann beeindruckte.
Im Innenhof wartete eine knifflige Sortieraufgabe: Muscheln oder Schnecken? Anhand verschiedener Schalen fanden die Kinder heraus, dass Muscheln immer aus zwei Klappen bestehen, während Schnecken ein spiralig gewundenes Gehäuse besitzen, das manchmal sogar mit einem mitwachsenden Deckel oder nur ein reduziertes Gehäuse aufweist.
Im Kaminzimmer nahm uns Frank Borleis mit auf eine Reise durch die Welt der Weichtiere in Deutschland. Neben vielen spannenden Arten hatte er auch ein echtes Kuriosum dabei: die kleinste Landschnecke Deutschlands, die gerade einmal zwei Millimeter groß ist. Kaum vorstellbar, wie winzig ihre Eier und Jungtiere dann erst sind! Außerdem erfuhren die „Wilden Wölfe“, dass es Land-, Süßwasser- und Meeresschnecken gibt, die ganz unterschiedliche Atemorgane besitzen. Landschnecken besitzen Lungen, viele Süßwasserschnecken ebenfalls. Sie müssen jedoch regelmäßig an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Andere Süßwasser- und alle Meeresschnecken atmen über Kiemen. Muscheln hingegen besitzen alle Kiemen, leben ausschließlich im Wasser, filtern es zur Nahrungsaufnahme und sind ein wichtiger Hinweis auf Fischvorkommen, da sich ihre Larven in den Kiemen von Fischen entwickeln.
Beim Modellieren eigener Schnecken aus Knete wurde es kreativ: Von hoch aufgetürmten Turmschnecken bis zu flachen Tellerschnecken oder napfförmigen Varianten war alles dabei. Dabei lernten die Kinder auch, wie man die Drehrichtung eines Schneckenhauses bestimmt: Ausgehend vom ältesten Teil in der Mitte des Gehäuses. Die Tatsache, dass fast alle Gehäuse rechtsgewunden sind und linksgewundene Schnecken – sogenannte „Schneckenkönig*innen“ – nur etwa einmal unter 10.000 Tieren vorkommen, sorgte für Staunen und wurde direkt an allen Schneckenhäusern auf dem Tisch geprüft.
Dann ging es endlich nach draußen: Im Garten der Auwaldstation und in der Laubstreu des kleinen Wäldchens machten sie sich auf die Suche nach Landschnecken. Trotz der Trockenheit wurden sie fündig – gut versteckt in feuchten Rückzugsorten. Schnecken sind eigentlich nachtaktiv und verlassen ihre Verstecke tagsüber nur bei Regen, da sie trockene Bedingungen meiden. Insgesamt konnten die JuNa drei Nacktschnecken- und vier Gehäuseschneckenarten finden. Auch Fritzi hat eine/n Artgenoss*in gefunden.

Bei einem Picknick unter Kastanien lauschten die Kinder einem Podcast und erfuhren, dass manche Schnecken sogar andere Schnecken oder Kot fressen.
Nach mehreren Runden des Bewegungsspiels „Maulwurf-Schnecke“ ging es weiter ans Wasser. An der Neuen Luppe zeigte sich die Vielfalt der Weichtiere besonders eindrucksvoll: Unter Steinen fanden sich Napf- und Tellerschnecken sowie Köcherfliegenlarven. Viele Kinder entdeckten hier zum ersten Mal Schneckenlaich und erhielten so einen faszinierenden Einblick in das verborgene Leben unter der Wasseroberfläche. Später legten die Kinder den Lebenszyklus einer Schnecke nach und stellten dabei fest, dass Gehäuseschnecken ihr „Haus“ bereits beim Schlüpfen besitzen.
Am Hundewasser konnten sie schließlich selbst aktiv werden und weitere Wassertiere bestimmen. Darunter war der faszinierende Wasserskorpion, ein räuberisches Insekt mit Atemrohr und Fangarmen.
Erschöpft, aber voller neuer Eindrücke, ging dieser JuNa-Tag zu Ende. Ein Tag, der gezeigt hat: Selbst die unscheinbarsten Tiere haben erstaunliche Geschichten zu erzählen – man muss nur genau hinschauen.




Text und Fotos: Beatrice Schlabes
Verantwortlich für diese JuNa-Gruppe ist die Auwaldstation Leipzig gGmbH.
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