Mit dem ersten JuNa-Treffen des JuNa-Jahres begann für unsere jungen Naturwächter:innen der Auwaldstation Leipzig ein neues Kapitel. Kinder aus den Gruppen „Krähenschar“, „Wilde Wolfsrudel“ und „Eisvögel“ trafen aufeinander, dazu kamen neue Kinder, die zunächst zum Schnuppern dabei waren. Gemeinsam starteten wir in ein neues JuNa-Jahr – begleitet von unseren Maskottchen Max, der Krähe, und Fritzi Schleimfuß, der Weinbergschnecke. Was alle JuNas verbindet, ist unsere JuNa-Eule, die uns auch an diesem Tag durch das Programm begleitete.

Zum Kennenlernen starteten wir mit einem besonderen Wetter-Stimmungsbild. Jedes Kind und jede erwachsene Person zeichneten das Wetter, das gerade am besten zur eigenen Stimmung und den eigenen Gefühlen passte. Sonnenschein, Wolken, Regen oder Gewitter – beim anschließenden Austausch wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich derselbe Tag für verschiedene Menschen aussehen kann. Passend zu unseren Wetterbildern ließ der erste Regenschauer dann auch nicht lange auf sich warten. Doch statt sich davon ausbremsen zu lassen, war direkt die erste Teamaufgabe gefragt: Innerhalb kürzester Zeit mussten alle Materialien aus unserem Kennenlernkreis ins Trockene unter das Dach des Innenhofs gebracht werden. Gemeinsam wurde angepackt und geräumt – eine gute Gelegenheit, gleich zu Beginn zu zeigen, dass wir als Gruppe zusammenarbeiten können.

Danach ging es in Kleingruppen auf Naturgarten-Rallye. Jede Gruppe erhielt eine Karte des Gartens und machte sich auf die Suche nach verschiedenen Elementen, die in einem Naturschutzgarten wichtige Lebensräume und Strukturen schaffen. Die Kinder mussten die gefundenen Elemente auf ihrer Karte lokalisieren und anschließend überlegen, welche Tiere von ihnen profitieren können. Dabei entdeckten die Gruppen unter anderem Fledermaus- und Vogelnistkästen, stehendes und liegendes Totholz, Wassertränken, Wandbegrünungen und einen Kompost. Viele dieser Strukturen sind auf den ersten Blick vielleicht nur „Gartenelemente“ – für Tiere können sie jedoch Nahrung, Verstecke, Brutplätze oder Überwinterungsmöglichkeiten bieten. So wurde aus der Rallye ganz nebenbei eine kleine Spurensuche durch die verschiedenen Lebensräume des Naturschutzgartens.

Einige der entdeckten Elemente besprachen wir anschließend gemeinsam. Dabei schauten wir nicht nur darauf, was es bereits in unserem Garten gibt, sondern auch darauf, wo die Auwaldstation noch naturschutzfreundlicher werden könnte. So stellten die JuNas beispielsweise fest, dass ein Sandarium noch fehlt. Auch eine bodennah angelegte Wassertränke wäre eine sinnvolle Ergänzung, von der beispielsweise Igel und andere Tiere profitieren könnten. Die Kinder konnten damit direkt erleben, dass Naturschutz nicht bedeutet, dass ein Garten irgendwann „fertig“ ist – sondern dass es immer wieder Möglichkeiten gibt, Lebensräume weiterzuentwickeln. Bevor die Mittagspause begann, durfte jedes Kind selbst noch etwas für die Tiere im nächsten Frühjahr tun: Im Garten der Auwaldstation pflanzten die JuNas jeweils eine Blumenzwiebel – einen Krokus oder eine Tulpe. Die Frühblüher sollen im kommenden Frühjahr zusätzliche Nahrungsquellen für Insekten bieten, sobald die ersten Tiere nach dem Winter wieder aktiv werden. Damit werden aus kleinen Zwiebeln im Herbst wichtige Farbtupfer und Nahrungsquellen im zeitigen Frühjahr.

Zur Mittagspause machten es sich alle mit ihren Picknickdecken bei den drei Kastanien gemütlich. Besonders schwer fiel es einigen JuNas offenbar, an den vielen Kastanien einfach vorbeizugehen: Der Sammeldrang war so groß, dass manche Hosen- und Jackentaschen am Ende bis oben hin gefüllt waren. Doch warum sollten wir eigentlich nicht noch mehr Kastanien in unseren Auwald pflanzen? Schließlich wachsen daraus große Bäume und die Früchte sind bei Mensch und Tier beliebt. Die Antwort ist: Die Rosskastanie ist keine heimische Baumart und auch keine typische Art unserer Auwälder. Außerdem können durch eine stärkere Verbreitung die Bedingungen für die Kastanien-Miniermotte verbessert werden, die sich von den Blättern der Rosskastanie ernährt. Auch solche Fragen gehören für uns zum Naturschutz dazu: Nicht jede Pflanze, die schön aussieht oder uns vertraut ist, passt automatisch in jeden Lebensraum.

Nach der Mittagspause wurde es wieder bewegter. Bei den Fangspielen „Wespenspinne“ und „Maulwurf-Regenwurm“ konnten sich die JuNas austoben und gleichzeitig spielerisch etwas über Tiere und ihre Lebensweisen erfahren. Anschließend wurde es kreativ: Die Kinder sollten zeigen, was sie am Vormittag über naturnahe Gärten und Lebensräume gelernt hatten. In Kleingruppen bekamen sie die Aufgabe, ihren Schulhof in einen Traum-Schulhof für Tiere, Pflanzen und Kinder zu verwandeln. Mit viel Fantasie und erstaunlicher Genauigkeit machten sich die Gruppen ans Werk. Es entstanden bunte und vielfältige Schulhöfe mit ganz unterschiedlichen Ideen für mehr Natur: Lebensräume für Tiere, Pflanzen und Menschen wurden eingeplant und die Kinder überlegten, wie sich ein Schulhof verändern lässt, damit er nicht nur zum Spielen und Lernen, sondern auch als Lebensraum funktioniert. Anschließend präsentierten alle Gruppen ihre Entwürfe den anderen und erklärten, welche Ideen sie umgesetzt hatten.

Zum Ausklang beschäftigten wir uns noch einmal spielerisch mit Tiermerkmalen und Nahrungsnetzen. Dabei wurde deutlich, dass Tiere nicht unabhängig voneinander leben: Wer frisst wen? Welche Merkmale helfen uns ein Tier einer bestimmten Tiergruppe zuzuordnen? Und was passiert, wenn eine Art aus einem Nahrungsnetz verschwindet?

Zum Abschluss kam schließlich wieder unsere JuNa-Eule zum Einsatz. Wie schon am Morgen zeichneten wieder alle Teilnehmenden ihre aktuelle Stimmung als Wetterbild. Anschließend durfte die Eule als Redetier von Kind zu Kind wandern und jedes Kind konnte erzählen, wie es den Tag erlebt hatte und was es sich für das nächste JuNa-Treffen wünscht. So endete unser erstes gemeinsames JuNa-Treffen mit vielen neuen Eindrücken, ersten gemeinsamen Erfahrungen und einer Menge Ideen dafür, wie wir Natur beobachten, verstehen und selbst schützen können. Ein gelungener Start in ein neues JuNa-Jahr!

Text und Fotos: Daya Södje

Ansprechpartner für diese Gruppe ist die Auwaldstation Leipzig gGmbH.