Bei einem neuen Praxisbaustein zum Thema Gewässerschutz konnten sich unsere „Jungen Naturwächter“ des Praxiskurses direkt vor Ort im Auwald mit dem Lebensraum Binnengewässer und Auen beschäftigen. Mithilfe von Hörbeispielen aus den 80ern, Anfang 2000 und 10 Jahre später konnten Veränderungen in der Tierwelt wahrgenommen werden. Die historische Klangdokumentation verdeutlichte, wie sich die Artenvielfalt über die Jahrzehnte verändert hat.

Im gemütlichen Kaminzimmer führten die JuNas ein Experiment zum Abschmelzen der Pole durch und lernten den Unterschied zwischen den Mengen an Salzwasser und Süßwasser auf unserer Erde mithilfe eines anschaulichen Vergleichs kennen. Dieses klimatische Grundverständnis bildete unter anderem die Basis für vertiefte Betrachtungen der lokalen Gewässersituation und der anschließenden Gruppenarbeit zur nachhaltigen Lebensweise.

Biberspuren und Ufervegetation analysiert

Auf der Exkursion im Schlosspark, ausgestattet mit Ferngläsern, suchten die JuNas den Gewässerrand sorgfältig nach Biberspuren ab. Vor Jahren noch wurden frische Spuren an jungen Bäumen nahe der Weißen Elster gefunden. Diesmal stellten sie fest, dass die Hartholzaue nicht essbar für Biber ist. Sie bevorzugen insbesondere Weiden, da diese leichter zu fällen und nahrhafter sind. Dieser sichtbare Einblick in die Ernährungsgewohnheiten des Bibers half den JuNas zu verstehen, warum er sich aus bestimmten Bereichen des Auwalds wieder zurückzieht. Wasser allein reicht eben nicht, es braucht auch das richtige Nahrungsangebot in ausreichender Menge.

Trockenheit im Auwald

Besorgniserregend war die Feststellung, dass Teiche einen niedrigen Wasserstand aufweisen und das Hundewasser vollständig eingetrocknet ist. Diese Beobachtung verknüpften die JuNas mit den zuvor angesprochenen Erkenntnissen über die veränderten klimatischen Bedingungen. Die Trockenheit beeinflusst nicht nur die Biberpopulation, sondern gefährdet auch Amphibien, Fischlaichgebiete und die gesamte aquatische Biodiversität nebst gewässernaher Vegetation. Beendet wurde die Exkursion an der Neuen Luppe, eine begradigtes Gewässer, welches sich durch den nördlichen Auwald zieht.Dort wurden aus Naturmaterialien fleißig Rindenboote gebastelt und zu Wasser gelassen. Dabei konnte die starke Strömungsgeschwindigkeit der Neuen Luppe gut beobachtet und die langfristigen Folgen dieser Begradigung angesprochen werden.

Nachhaltige Lebensweise

In drei Kleingruppen beschäftigten sich die JuNas mit nachhaltiger Mobilität, Ernährung und Bekleidung vor dem Hintergrund der Nutzung von Trinkwasser für deren Herstellung. Dabei diskutierten die Kinder den Schulweg mit Fahrrad und ÖPNV und erarbeiteten gemeinsam dessen Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen beim Fahrrad zählten Unabhängigkeit, Bewegung an der frischen Luft, CO₂-Einsparung sowie gesteigerte Konzentrationsfähigkeit durch körperliche Aktivität. Als Herausforderungen wurden Wetterabhängigkeit, Verkehrssicherheit sowie Reparaturen und zeitaufwändigere Wege bei längeren Strecken identifiziert. Eine Vermeidung der Versiegelung von Flächen und die Inanspruchnahme von Naturräumen durch Bebauung spielte bei der Besprechung eine wesentliche Rolle. Die ungestörte Wasseraufnahmekapazität des Bodens trägt maßgeblich zu einem eher ausgeglichenen Grundwasserhaushalt bei.

Wie viele Kleidungsstücke im Schrank haben vier JuNas insgesamt? Ungefähr 174 T-Shirts, Hosen, Pullover, Jacken, Schuhpaare, Kleider und Mützen wurden gezählt. Das ist schon viel, aber weit weniger als die Erwachsenen im Schrank liegen haben. Diese führen mit ca. 95 Kleidungsstücken pro Person. Die JuNas entschieden sich für einen ressourcenschonenden Umgang mit den dafür verwendeten Rohstoffen durch  z. B. Kleidertausch-Partys, Secondhand-Läden oder reparieren von Kleidung. Wasser braucht es ebenso für unsere Nahrung. Darum berechneten die JuNas wieviel Badewannen für 1 kg Rindfleisch (103 Bw) und für 1kg Kakao benötigt werden. Dass Kakao sogar noch mehr der wertvollen Ressource Trinkwasser benötigt, war überraschend. Es sind 180 Badewannen für ein Kilo Kakao! Diese Diskussionen zeigte den JuNas, dass Nachhaltigkeit bereits im Alltag beginnt und sie diesen mitgestalten können.

Ausblick auf weitere Treffen

Auch zu den nächsten Treffen werden sich die JuNas wieder mit den Themen rund um Artenvielfalt, die Gefährdung der Biodiversität und deren Ursachen und Folgen beschäftigen. Dabei gehen wir regelmäßig auf aktuelle Erkenntnisse und Lösungsansätze aus langjähriger Forschungsarbeit ein und nutzen hierfür unter anderem Faktencheck Artenvielfalt. Die Kombination aus praktischer Feldarbeit, wissenschaftlicher Recherche und Alltagsreflexion hat zum Ziel ein tieferes Verständnis für die komplexen Zusammenhänge im Natur- und Umweltschutz auszubilden.

Text und Foto: Beatrice Schlabes

Ansprechpartner für diese Gruppe ist die Auwaldstation Leipzig gGmbH.