Rückblick auf den 20. bis 22. Juni 2025
Der Freitag startete für die Kinder um 16 Uhr. Während alle langsam, aber sicher im Camp ankamen, richteten sie sich ein und konnten den Permahof erkunden. Insgesamt zählten wir 15 Kinder, drei Betreuer und zwei Betreuerinnen. Einige waren in den letzten Jahren schon dabei gewesen, manche zum ersten Mal. Auch für mich war es das erste Camp-Abenteuer auf dem Permahof, und ich fand mich schnell ein, nachdem mir einige der „Stammkinder“ eine kurze Einführung gegeben hatten.
Den ersten Nachmittag verbrachten wir mit kleineren Kennenlernspielen. So sollten die Kinder beispielsweise eine Plane umdrehen, auf der sie standen – ohne diese zu verlassen – oder mit Unterstützung über ein Seil balancieren, das von der Gruppe im Kreis gespannt wurde. Außerdem legte uns Frank 15 Stöcke mit der Aufgabe hin: „Baut eine Brücke.“ Die Bezeichnung „Da-Vinci-Brücke“ kannten zu diesem Zeitpunkt nur die „Stammkinder“. In einer kleinen Freizeiteinheit gaben wir den neuen Kindern die Möglichkeit, sich an die vielen Eindrücke zu gewöhnen. Einige übten Knoten, andere spielten Tischtennis oder Fangen, und wieder andere halfen Karla und Jule beim Vorbereiten des Abendessens.


Nachdem alle gestärkt waren, installierte Frank im nahen Waldstück gemeinsam mit einer Handvoll Kindern eine Wildkamera, während die übrigen mit Marco und mir ein Feuer entfachen sollten. Keine leichte Aufgabe, denn wir hatten uns die Herausforderung gesetzt, auf Feuerzeug und Streichhölzer zu verzichten. Erlaubt war nur der Feuerstahl. Abwechselnd reichten wir uns die Werkzeuge, während von den Zuschauenden ein „Oh“ oder „Fast haben wir’s!“ zu hören war. Auch das sehr trockene Stroh genügte nicht, und wir waren kurz davor aufzugeben – bis Frank mit einem Stück Wolle wiederkam. Es fühlte sich fast wie Schummeln an. Doch schon das erste Kind schaffte es, die Wolle zum Lodern zu bringen – und es wurde Licht!
Nach getaner Arbeit bereitete sich jedes Kind einen Knüppelkuchen am Feuer zu. Dann machten sich alle bereit für die Nachtwanderung zum Wald der Glühwürmchen. Leider waren wir etwas zu spät – die kleinen „Leuchtkäfer“ waren kaum noch zu sehen. Im Anschluss gingen alle schlafen, während die Betreuenden noch eine Weile am Feuer saßen – bis aus beiden Zelten kein Mucks mehr kam.
Bereits um 5 Uhr wurde ich von den ersten Kindern geweckt, weil sie meine Hilfe brauchten. Ich war erschöpft, aber irgendwie sehr zufrieden mit der Stimmung. Für die größeren Menschen und mich bereitete ich Kaffee zu und half danach den kleineren Menschen beim Versuch, eine Leiter aus Reepschnüren an einem Baum zu bauen. Gemeinsam erprobten wir den sogenannten Prusikknoten. Nach dem Frühstück packten sich alle Kinder die Brotdose, und zu dritt zogen wir mit 15 Kindern los. Frank hatte eine Wanderung geplant, und um 15 Uhr sollten wir wieder zurück sein.
Neben kleineren Spielen bekamen wir die Möglichkeit, die wilde Seite der Sächsischen Schweiz zu erkunden. Frank und Karla erklärten den Kindern die Entstehungsgeschichte der Sandsteinfelsen. Es war sehr heiß an diesem Tag, auch wenn wir die meiste Zeit im Schatten unterwegs waren. Die meisten Kinder kamen ziemlich erschöpft im Camp an und gönnten sich eine kurze Pause. Doch sobald Frank den Rasensprinkler anschloss, krochen die ersten wieder aus den Zelten.
Nach einer kurzen Erfrischung, etwas Freizeit und ein paar Runden „Zwei Wahrheiten und eine Lüge“ ging es schon wieder ans Abendessen. Alle packten mit an, denn heute sollte es selbstgemachte Pizza geben. Frank und Karla besaßen einen großen Lehmofen, in dem die Pizza gebacken werden sollte. Die kleine Gruppe, die nicht knetete oder schnippelte, übte sich beim Spielen der Gitarre, Mandoline sowie Töpfe und Pfannen. Das Gute an selbstgemachter Pizza ist, dass für jeden etwas dabei ist.
Gestärkt und wieder fit, ging es für alle in eine letzte Spielzeit am Abend. Danach versammelten wir uns zum Schnitzen am Lagerfeuer. Dieses Mal hatte Frank für jeden ein Stück Wolle, und wer wollte, durfte versuchen, es mit dem Zündstahl zum Brennen zu bringen. Mit den Erfahrungen vom Vortag starteten wir dieses Mal etwas früher zur Glühwürmchen-Exkursion – und tatsächlich konnten wir ein paar mehr der kleinen Tierchen sehen. An der Stimmung der Kinder spürte man die Begeisterung – und auch mir wurde die Möglichkeit geboten, das magische Spektakel erneut mit Kinderaugen zu erleben.
Dass es danach ins Bett ging, mussten wir den Kindern nicht extra sagen. Alle gingen recht freiwillig ins Bett, und auch in den Zelten waren schnell die Lichter aus. Auch wir Erwachsenen konnten uns an diesem Abend nicht lange am Feuer halten. Wir gingen zu Bett, um fit für den nächsten Morgen zu sein.
Das erste Kind krähte am nächsten Morgen erst gegen 7 Uhr. Ich konnte auf Grund der Temperaturen nicht lange schlafen und drehte vorher schon eine kleine Runde. Am beeindruckendsten fand ich, dass die Kinder am letzten Tag wie ausgewechselt waren. Es war eine so heimische Atmosphäre entstanden und die meisten Kinder waren bereit für eine ganze Woche. Leider packten alle stattdessen ihre Koffer für die Heimreise. Glücklich und zufrieden vertrieben sie sich die Zeit mit kleineren Spielen, bis sie von Ihren Eltern geholt wurden. Einigen übten sich auch nochmal an der „Da Vinci Brücke“.
Text und Fotos: P. Miersch
Verantwortlich für den Beitrag ist die Naturschutzstation Osterzgebirge e.V.
